Seltsamenergüsse. Meine neuesten Gestörtheiten. Am 29.6. live in Berlin.

Mein nächstes Hörtheater steht an. Und zwar am 29. Juni, dem ersten fußballfreien Tag der WM, in Neukölln, genauer im Bergschloss des Berliner Berg. (Link zu Googlemaps). 20 Uhr. Und weil wieder niemand sonst bereit war, sich mit meinen gestörten Mini-Dramen vor Publikum zu blamieren, lese ich auch diesmal alle 245 Rollen selbst. Mit 245 verschiedenen Stimmen. Auf dem Programm stehen Auszüge aus meinem in der Mache befindlichen Politdrama „Hätte ich keine Angst vor Menschen, hätte ich keine Lust auf sie“, meinem ebenfalls in der Mache befindlichen Historiendrama „1913 – so war Europas Schicksalsjahr wirklich!“ und meiner nicht weniger in der Mache befindlichen Tragödie „Aber mein nächstes Leben wird der Hammer!“
Der Eintritt ist frei. Damit sich anschließend keiner in den Arsch beißt.
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Gespräche am Rande des Wahnsinns. Gestern im Speisewagen.

„Ich hasse Gespräche.“

„Aha.“

„Ich würde nie eins beginnen.“

„Nicht?“

„Nein.“

„Das überrascht mich jetzt.“

„Wieso?“

„Weil Sie gerade eins begonnen haben.“

„Mit wem?“

„Mit mir.“

„Womit?“

„Mit: Ich hasse Gespräche.“

„Aber das war doch kein Gesprächsbeginn!“

„Sondern?“

„Ich habe laut gedacht. Aber Sie haben einfach drauf geantwortet.“

„Ach so. Dann war das ein Missverständnis.“

„Das war es wohl… Ich und ein Gespräch beginnen… So weit kommt’s noch…“

„Sie haben mich so erwartungsvoll angesehen, da dachte ich, Sie hoffen, dass ich etwas entgegne.“

„Um Gottes Willen! Nein! So gucke ich immer! Das ist mein ganz normaler Blick.“

„Das ist mir jetzt aber peinlich, dass ich Sie versehentlich in ein Gespräch verwickelt habe. Was sollen Sie denn von mir denken?“

„Ich habe schon vorher nicht gut über Sie gedacht.“

„Dann ist gut.“

„Passiert mir öfter, dass die Leute glauben, ich wolle ein Gespräch beginnen. Liegt wohl an meinem ganz normalen Blick.“

„Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, sich einen anderen ganz normalen Blick zuzulegen? Damit die Leute nicht immer glauben, Sie erwarten eine Antwort, obwohl Sie einfach nur vor sich hinbrabbeln?“

„Ja, hab ich.“

„Aber?“

„Mir ist noch kein anderer eingefallen.“

„Da bin ich aber froh, dass ich mit Ihnen nicht reden muss. Ich mag Gespräche nämlich auch nicht.“

„Ich verstehe nicht, wie einem Gespräche Spaß machen können.“

„Das gibt es tatsächlich?“

„Natürlich. Ich kenne einige Menschen, die Gespräche unterhaltsam und interessant finden.“

„Krank.

„Meine wenigen Gespräche im Leben waren fast alle langweilig und brachten mir nur Scherereien.“

„Nur fast alle?“

„Das ein oder andere war auszuhalten.“

„Ich habe nie ein Gespräch geführt, das ich als unterhaltsam oder interessant empfunden hätte.“

„Soll ich Ihnen eins vorspielen? Ich habe alle Gespräche, die ich je geführt haben, mitgeschnitten und als Sounddatei auf meinem Handy gespeichert. Wollen Sie eins der erträglichen hören?“

„Gerne. Da bin ich aber gespannt.“

 

Lesen Sie ab morgen bei Taubenvergrämer aus Leidenschaft: Meine 50 erträglichsten Gespräche im Leben. Teil 1: Gespräch mit einem Kölner Bäcker beim Brötchenkauf.

 

 

 

 

 

Wowis Frisur

S-Bahn-Fahrt in Berlin. Neben mir sitzen zwei Frauen, die eine erzählt der anderen von ihrem Sohn:

„Der Pascal lässt sich jetzt die Haare wachsen. Der will so aussehen wie der Pantelic.“

„Der Fußballer?“

„Ja, der hat so lange Haare. Und der Kevin will aussehen wie der Wo… wie heißt der? Der Wo… Wowereit…“

Unterbrechen wir das spannende Gespräch für einen kurzen Moment und werfen wir einen Blick auf drei meiner 7000 Gedanken in diesem Augenblick: Habe ich etwas verpasst? Hat Wowereit seinen Lebenstraum erfüllt und ist zum Idol geworden? Gehen Kinder mit einem Foto des Regierenden zum Friseur und sagen „So will ichs haben“? Zieht die Altherrenfrisur in unsere Schulen ein?

„Wowereit?“ fragt die andere Frau zurück, für mein Gefühl noch ein bisschen zu wenig irritiert.

„Nee, warte…der heißt Wo… Wo… Woronin. Ja, Woronin.“

Puh. Woronin. Der andere Hertha-Stürmer. Wowi, arbeite weiter an Dir. Vielleicht einfach die Haare wachsen lassen. Dann kannst Du behaupten, die Kids in Berlin eifern eigentlich Dir nach. Und ich werde dann zum Kronzeugen für diese These. Mit dieser kleinen Geschichte, die ich einfach nicht zu Ende erzähle.

Geruchsnote

Dass die Industrie theoretisch in der Lage ist, Reifen herzustellen, die nicht verschleißen, ist bekannt. Nur würden sie dann eben deutlich weniger Exemplare verkaufen. Ich bin mir sicher, dass sich die Kosmetikindustrie genauso verhält: Sie könnte problemlos Deos produzieren, deren Wirkung nicht nach 5 Minuten nachlässt. Andererseits führt das zu einer gewissen Waffengleichgleicheit. Denn Darwin hatte nur bedingt Recht: Nicht der Stärkere gewinnt, sondern der mit dem stärkeren Geruch. Wer in einem Meeting oder einem Zug neben einem menschgewordenen Stinktier sitzt, will nicht gegen den Nachbarn kämpfen, sondern schnellstmöglich Leine ziehen, um einen neuen Lebensraum zu finden. Die bessere Alternative: zurück stinken. Nachlassende Deos sind quasi naturgewollt bzw. ein Element der Notwehr.

Es gilt die Faustregel: Je älter ein Mann, desto unangenehmer sein Geruch. Es ist also nicht die Ehe, die Paare sexuell entfremden lässt, sondern der Geruch. Frauen riechen noch ziemlich lange gut, oft bis ins hohe Alter. Meine Uroma zum Beispiel konnte zehenweise Knoblauch futtern, sie roch immer nach Rosen. Mein Uropa übrigens auch: Allerdings nach Rosen, in die ein Hund gemacht hat.

Mischehe

Seit ein paar Tagen mixt mir meine Frau Morgen für Morgen einen Multivitamindrink. Der schmeckt bescheiden, bringt aber angeblich wertvolle Vitamine. Auch an das motorensägenartige Geräusch aus der Küche habe ich mich mittlerweile gewöhnt. Was mir aber Sorgen macht: Auf unerklärliche Weise verschwinden in letzter Zeit immer mehr Gegenstände aus unserer Wohnung, ich suche und vermisse noch stärker Dinge als früher. Und so habe ich den Verdacht, dass meine Frau in eine Art Mix-Rausch geraten ist – und nicht nur Früchte und Wasser in den Mixer schickt. Ich weiß nicht, was ich da jeden Morgen trinke, aber mich irritiert besonders ihr Satz: „Unglaublich, was man im Mixer alles verarbeiten kann.“ Auch in der Nachbarschaft hängen mehr Zettel mit vermissten Katzen als früher. Besteht da ein Zusammenhang? Doch solange ich mich durch die Drinks gesunder fühle, wecke ich keine schlafenden Hunde. Beziehungsweise tote Katzen. Allerdings achte ich abends darauf, dass meine Frau vor mir einschläft. Normalerweise vertraue ich ihr. Doch zur Zeit scheint etwas gesundes Misstrauen angebracht zu sein.

Russisch Tourette

Noch immer leider ich unter meinem langweiligen Alltag. Während sich frühere Generationen in solchen Zeiten nach einem Krieg sehnten, versuche ich die vielen überflüssigen Stunden meines Tages mit kleinen aufregenden Spielchen zu füllen. Dabei hat es mir besonders die kapitalistische Form des Russischen Roulette angetan. Ich kaufe im Supermarkt willkürlich Flaschen, achte nicht darauf ob es sich um Getränke, Shampoo oder Putzmittel handelt, entferne zu Hause alle Etiketten und positioniere sie willkürlich an verschiedenen Orten. Da wandert schon einmal ein Rohrfrei in den Kühlschrank und Milch in die Ablage der Dusche. Und sie werden`s nicht glauben, aber meine Erfahrung ist: Viele Produkte sind komplett austauschbar. So lässt sich mit Milch tatsächlich auch der Fernseher putzen. Oder mit Shampoo die Katze füttern. Nur Entkalker als morgendlicher Wachmacher ist gewöhnungsbedürftig.

Im hessischen Elektro-Markt

Die Frage, ob Computerspiele Aggressionen fördern oder abbauen ist noch nicht endgültig geklärt. Doch es gibt mit Sicherheit Spiele, die einer gesunden geistigen Entwicklung abträglich sind. Zum Beispiel das Spiel, dass der ca. 8jährige gestern im Elektromarkt seiner Mutter mit der Frage „Krieg ich das?“ unter die Nase hielt. Mama hob ihre Brille, besah sich das Spiel und las laut vor „Gehirn-Schocking. Das willste haben?“

Nur wenige Meter von dieser Szene entfernt zuckte ich erschrocken zusammen. Gehirn-Schocking? Erlernt der Nachwuchs jetzt schon in jungen Jahren am PC die Kunst des Folterns? Geht es in dem Spiel darum, Drähte in die Nase eines Menschen einzuführen und sein Gehirn unter Strom zu setzen, um ihm so Informationen heraus zu erpressen? Guantanamo in Hessen?

Unauffällig bewegte ich mich nach rechts und warf einen Blick auf das Spiel. darauf stand „Gehirn-Jogging“. Ich würde noch ein paar Tage brauchen, um mich wieder an den hessischen Dialekt zu gewöhnen.