Archive for Juni, 2008

Bitte. Danke.

Liebe Kunden, oder wer auch immer etwas von mir will. Bitte nehmen Sie in Zukunft davon Abstand, Ihre Mails mit „Danke!“ zu beenden. Denn nur weil Ihre Zeilen zu Ende sind, heißt das nicht, dass ich Ihrem Ansinnen auch tatsächlich nachkomme. Ein Danke ohne vorherige Tat klingt entsetzlich anmaßend und von oben herab. Mir reicht es, wenn Sie Ihr Anliegen einfach mit dem Wort „Bitte“ garnieren. Mehr Höflichkeit muss nicht sein. Bedanken Sie sich bitte erst, wenn ich Ihnen einwilligend geantwortet habe. Im Alltag würden Sie auch niemanden um etwas bitten und mit einem „Danke!“ schließen. Es sei denn Sie wollen im Subtext klar machen: „Keinen Widerspruch, verstanden?“. Schreiben Sie doch einfach „Im Voraus vielen Dank“. Aber beachten Sie, dass man „Voraus“ mit nur einem r schreibt. Genauso wie „vorausgesetzt“.

Danke.

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Ich bereue nichts

Liebe Eltern, ihr müsst jetzt stark sein. Ich bin alt genug, um dieses Fazit zu ziehen: Ich bereue es nicht, den Klavierunterricht schon nach drei Jahren abgebrochen zu haben. Das erkläre ich heute feierlich. Da habt Ihr Euch damals aber mächtig getäuscht, als ihr mich so unschön unter Druck gesetzt habt: „Das wirst Du später einmal bereuen!“ war Euer Standardsatz, als ich mich mit meinem Wunsch endlich durchgesetzt hatte, den Klavierdeckel für alle Ewigkeit zu schließen und meine Notenhefte zum Altpapier zu geben. Damit Ihr es wisst: So ganz spurlos ging Eure Warnung nicht an mir vorüber. Jahrelang habe ich täglich mit einem spontanen Reueanfall gerechnet. Jederzeit war ich darauf vorbereitet, dass gerade heute der Tag sein würde, an dem mich ein Wein- und Schüttelkrampf überkommt, dass der Gedanke an meine fehlenden Klavierkünste meine Kindheit zu einer verlorenen Zeit abqualifiziert. Nur: Nichts dergleichen ist passiert. Noch immer mache ich drei Kreuze, nicht mehr vor das Klavier gewzwungen zu werden. Und noch immer reicht es mir, statt dem Klavier enur inen CD Player bedienen zu können. Der spielt auf Wunsch das gleiche wie ich. Nur besser.

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Briefumschläge

Es gibt nur wenig, was so fremd anmutet wie ein Briefumschlag, der nicht an mich adressiert ist. Besonders, wenn ich ihn aus meinem Briefkasten hole. Vielleicht habe ich in meinem Leben einfach zu viele Briefe gesehen, die an mich gerichtet waren. Auf einen Briefumschlag gehört mein Name. Jeder andere Name stimmt mich traurig.

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Rubääääääääh

Das Leben auf dem Prenzlauer Berg wirkt sich mehr und mehr auf mein Verhalten aus. Einige unselige Einflüsse konnte ich noch fern halten, zum Beispiel würde ich mich nie mit einem Laptop in ein Lokal setzen, in dem schon jemand anderes mit seinem Laptop sitzt. So viel Stil konnte ich mir bewahren. Andere Beispielen hatten aber eine stärkere Wirkung auf mich, begeistert von ihrem Erfolg musste ich ihnen nacheifern: die vielen kleinen Kindern in der Gegend sind meine besten Lehrmeister. Von ihnen habe ich mir viele erfolgreiche Verhaltensweisen abgeguckt. Meine liebste: hysterisches, lauthalses Weinen und Schreien zwecks Zielerreichung.

Ach, wir sollten viel mehr Kind sein. Dann wäre dies zwar keine bessere Welt, aber wenigstens wären alle Menschen Arschlöcher. Und nicht nur ein paar. Ich kann zumindest sagen, ich bin ein erfolgreicherer Mensch, seit ich das Kind in mir wieder entdeckt habe. Wohldosiertes Brüllen und wahnsinniges Weinen wirken im Alltag wahre Wunder. Eine lange Schlange beim Bäcker? Einfach an allen vorbei gehen und Brötchen bestellen. Murrt einer der Übergangenen, dann nichts wie aus vollem Halse Weinen und Brüllen. „Ich will aber meine Brötchääääääääääääännnn jetzt!“ Dann idealerweise noch auf den Boden werfen (bitte achten Sie dabei auf kleine Hunde), strampeln und mit den Fäusten trommeln. So schnell hatten Sie noch nie Ihre Brötchen und den Respekt der Umgebung.

Beim Schwarzfahren in der S-Bahn von einem freundlichen Stadtbediensteten erwischt? Einfach laut plärren, mit sich überschlagender Stimme: „Ich will aber nicht bezahlääääääään!!!“. Dann ein lautes „Rubäääääääää!“ hinterher. Viele Schaffner wenden sich dann erfahrungsgemäß schnell dem nächsten Fahrgast zu.

Doch ich warne: Nicht immer erreicht man mit hysterischem Weinen, Schreien und Zetern sein Ziel. Eine attraktive Frau, die in einem Café auf die Frage, ob man sich zu ihr setzen dürfe, mit Nein antwortet, lässt sich auch nicht mit einem lautstarken Weinkrampf umstimmen. Und sollten Sie irgendwie doch mit dem Partner Ihrer Wahl im Bett landen, reagieren Sie auf abschlägige Beurteilungen ihrer etwas ausgefalleneren sexuellen  Wünsche am besten auch nicht mit Schrei- und Heulkrämpfen. Die sexuelle Stimmung ist schnell am Boden.

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Mühsamer Neuanfang

Danke der freundliche Nachfrage. Meiner „Pfeil-nach-rechts“-Taste geht es wieder gut. Nachdem sie 3 Wochen lang kaputt war, fällt mir das nach rechts laufen nur zwar noch etwas schwer, weil ich diese Funktion mit Maus und der „Pfeil-nach links“-Taste umgangen habe, aber ich werde gleich mal exzessiv nach rechts laufen, um mich wieder daran zu gewöhnen. Nach schweren Verletzungen ist der Reha-Prozess eben immer etwas mühsam.

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