Archive for Oktober, 2008

Mischehe

Seit ein paar Tagen mixt mir meine Frau Morgen für Morgen einen Multivitamindrink. Der schmeckt bescheiden, bringt aber angeblich wertvolle Vitamine. Auch an das motorensägenartige Geräusch aus der Küche habe ich mich mittlerweile gewöhnt. Was mir aber Sorgen macht: Auf unerklärliche Weise verschwinden in letzter Zeit immer mehr Gegenstände aus unserer Wohnung, ich suche und vermisse noch stärker Dinge als früher. Und so habe ich den Verdacht, dass meine Frau in eine Art Mix-Rausch geraten ist – und nicht nur Früchte und Wasser in den Mixer schickt. Ich weiß nicht, was ich da jeden Morgen trinke, aber mich irritiert besonders ihr Satz: „Unglaublich, was man im Mixer alles verarbeiten kann.“ Auch in der Nachbarschaft hängen mehr Zettel mit vermissten Katzen als früher. Besteht da ein Zusammenhang? Doch solange ich mich durch die Drinks gesunder fühle, wecke ich keine schlafenden Hunde. Beziehungsweise tote Katzen. Allerdings achte ich abends darauf, dass meine Frau vor mir einschläft. Normalerweise vertraue ich ihr. Doch zur Zeit scheint etwas gesundes Misstrauen angebracht zu sein.

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Russisch Tourette

Noch immer leider ich unter meinem langweiligen Alltag. Während sich frühere Generationen in solchen Zeiten nach einem Krieg sehnten, versuche ich die vielen überflüssigen Stunden meines Tages mit kleinen aufregenden Spielchen zu füllen. Dabei hat es mir besonders die kapitalistische Form des Russischen Roulette angetan. Ich kaufe im Supermarkt willkürlich Flaschen, achte nicht darauf ob es sich um Getränke, Shampoo oder Putzmittel handelt, entferne zu Hause alle Etiketten und positioniere sie willkürlich an verschiedenen Orten. Da wandert schon einmal ein Rohrfrei in den Kühlschrank und Milch in die Ablage der Dusche. Und sie werden`s nicht glauben, aber meine Erfahrung ist: Viele Produkte sind komplett austauschbar. So lässt sich mit Milch tatsächlich auch der Fernseher putzen. Oder mit Shampoo die Katze füttern. Nur Entkalker als morgendlicher Wachmacher ist gewöhnungsbedürftig.

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Im hessischen Elektro-Markt

Die Frage, ob Computerspiele Aggressionen fördern oder abbauen ist noch nicht endgültig geklärt. Doch es gibt mit Sicherheit Spiele, die einer gesunden geistigen Entwicklung abträglich sind. Zum Beispiel das Spiel, dass der ca. 8jährige gestern im Elektromarkt seiner Mutter mit der Frage „Krieg ich das?“ unter die Nase hielt. Mama hob ihre Brille, besah sich das Spiel und las laut vor „Gehirn-Schocking. Das willste haben?“

Nur wenige Meter von dieser Szene entfernt zuckte ich erschrocken zusammen. Gehirn-Schocking? Erlernt der Nachwuchs jetzt schon in jungen Jahren am PC die Kunst des Folterns? Geht es in dem Spiel darum, Drähte in die Nase eines Menschen einzuführen und sein Gehirn unter Strom zu setzen, um ihm so Informationen heraus zu erpressen? Guantanamo in Hessen?

Unauffällig bewegte ich mich nach rechts und warf einen Blick auf das Spiel. darauf stand „Gehirn-Jogging“. Ich würde noch ein paar Tage brauchen, um mich wieder an den hessischen Dialekt zu gewöhnen.

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